Boxenstopp in Le Havre

Die Partnerstadt von Magdeburg wirkt nach wenigen Minuten erstaunlich bekannt. Die 15-jährige Jumelage scheint also kein Zufall zu sein.

Ein paar erste, bewusst oberflächliche Beobachtungen:

• Architektur der 50er prägt hier wie dort das Stadtbild. In Le Havre streng, klar und modernistisch. In Magdeburg eher mit einem Hauch sozialistischer Zuckerbäckerei.

• Beide Städte haben ein Zentrum, das irgendwie keine echte Mitte sein will.

• Windräder werden hier ebenfalls gebaut und der Hafen. Wobei der Vergleich ungefähr so fair ist wie ein Wettrennen zwischen Elbe und Atlantik. Magdeburg wirkt daneben eher wie die Modelleisenbahn-Version einer Hafenstadt.

• Le Havre ist keine Stadt der Liebe auf den ersten Blick. Eher eine, die sagt: „Gib mir zehn Minuten länger.“

Vorläufiges Fazit nach einer ziemlich knappen Stunde:

Le Havre und Magdeburg sind wie zwei alte Hafenmöwen. Der Zweite Weltkrieg hat beiden ordentlich die Federn gerupft. Der Wiederaufbau hat ihnen einen etwas eigenwilligen Look verpasst. Schönheiten im klassischen Sinn? Darüber lässt sich streiten.

Aber beide trotzen Wind und Wetter, ziehen ihr Ding durch und werden mit jedem zweiten Blick interessanter.

Oder anders gesagt: Städte, die man nicht sofort ins Herz schließt – die sich dort aber erstaunlich hartnäckig einnisten.

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