Tag 25: Biarritz – Paris (via Zug)

Bahnfahren ist in Frankreich genauso spannend wie in Deutschland.

Einen Sitzplatz samt Fahrradstellplatz im TGV zu ergattern, ist hohe Kunst und hat inzwischen Goldstaub-Status. Thomas war erfolgreich. Wir fahren von Biarritz nach Dax mit dem Regionalzug, ab Dax weiter mit dem TGV nach Paris. So der Plan.

Nun kommt das Wetter: zu heiß. Die meisten Regionalzüge werden annulliert. Bis auf einen – um 6.13 Uhr in aller Herrgottsfrühe. Prima, wir haben also fünf Stunden Zeit, das beschauliche Seelen-Örtchen Dax zu erkunden.

Der TGV in Dax ist mit fünf Minuten Verspätung erfreulich pünktlich. Unsere Fahrradstellplätze beherbergen allerdings bereits rund zehn große Koffer, die andere Mitreisende mangels Alternativen dort abgestellt haben. Wir machen uns sofort Freunde.
Nachdem Platz für die Räder geschaffen ist, die Mitreisenden auf ihren Koffern sitzen und niemand mehr aufs Klo kommt, erwartet uns in Bordeaux die nächste Überraschung: Wir sollen die Plätze tauschen – in einen Waggon ganz am anderen Ende des Zuges. Wohl ohne Fahrräder, denn die bekommen wir wegen der Kofferberge erst einmal nicht mehr bewegt.

Eine Pfadfindergruppe, die bereits eine eintägige Odyssee bei 40 Grad hinter sich hatte, sollte geschlossen in unserem Abteil sitzen. Sympathische Überlegung. Man habe uns doch informiert, erklärt der herbeigerufene Zugbegleiter. Wir zeigen auf unsere Tickets samt Platzzuweisungen in der App. Ja, aber nicht in der App, sondern per E-Mail.

Der nachträgliche Blick ins Postfach zeigt: Er hat recht. Um 12.20 Uhr kam die Nachricht. Abfahrt war um 12.23 Uhr. Unser Learning: stets alle Kanäle im Blick behalten und immer schön flexibel bleiben.

Obwohl – das fulminante Finale kommt noch. Man stelle sich einen 1,50 Meter breiten Bahnsteig im Untergeschoss bei 40 Grad vor und etwa 600 Menschen, die gleichzeitig aus dem Zug strömen. Eine Kindergruppe mit 40 Koffern, die allen im Weg steht, eine Assistenz mit Rollstuhl, die auf einen Fahrgast wartet, und unsere Fahrräder, die man hinter den Kofferbergen kaum noch findet.

Und in den Aufzug passt Thomas’ Fahrrad nicht hinein – durch die Ausstiegspforte übrigens auch nicht.

Ich glaube, wir haben jetzt wirklich alles mitgenommen, was Bahnfahren mit SNCF zu bieten hat. Oder fehlt noch etwas?

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